«Starke Emotionen gibt es nur, wenn etwas besonders ist»

17. Juni 2021
«Starke Emotionen gibt es nur, wenn etwas besonders ist», Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Pratteln im Baselbiet | ESAF 2022

Vertragsunterzeichnung zwischen OK und Gemeinde Pratteln: v.l.n.r. Stephan Burgunder (Gemeindepräsident), Matthias Hubeli (Geschäftsführer ESAF Pratteln im Baselbiet), Beat Thommen (Gemeindeverwalter), Thomas Weber (OK-Präsident)

Bereits am kommenden Wochenende hätte Pratteln in Feierlaune sein wollen, doch der Festakt zu «500 Joor eidgenössisch!» musste pandemiebedingt leider abgesagt werden. Das Jubiläum aber bleibt und soll zusammen mit der Vertragsunterzeichnung zwischen OK und Gemeinde ein Anlass sein, um uns mit Sandra Meier, Leiterin Kommunikation und Politik der Gemeinde Pratteln, über ihren Wohnort und die Gastgeberrolle ihrer Gemeinde zu unterhalten.

Pratteln hat Geschichte. Noch heute erinnert der historische Dorfkern an die Zeit, als das alte Bauerndorf Pratteln im Besitz der Herren von Eptingen war. Mit dem Verkauf Prattelns an die Stadt Basel 1521 wurde die Prattler Bevölkerung von einem Tag auf den anderen Teil der Eidgenossenschaft, diesem Bund von Städten und Landorten, der an seiner Spitze weder einen Kaiser noch eine Königin hatte. (Quelle: www.bg-pratteln.ch/500-joor-eidgenoessisch/) Zum 500-Jahr-Jubiläum liess die Bürgergemeinde Pratteln ein Buch verfassen, das tiefe Einblicke in die Geschichte und Gegenwart des Austragungsortes für das nächste Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) im Jahr 2022 gewährt. Es wird noch in diesem Monat publiziert. Wir freuen uns, im nächsten Newsletter einen Auszug verwenden zu dürfen.

Doch zunächst stand uns Sandra Meier, Leiterin Kommunikation und Politik der Gemeinde Pratteln, Red und Antwort. Wir haben mit ihr über die Gastgeberrolle ihrer Gemeinde und den Patronatsvertrag gesprochen, der kürzlich mit dem OK des ESAF Pratteln im Baselbiet unterzeichnet worden ist.

Sandra Meier, ihr seid Austragungsort und Patronatspartner des ESAF Pratteln im Baselbiet. Was bedeutet es für eine 17’000-Personen-Gemeinde, Gastgeberin eines solchen Grossevents zu sein?
Sandra Meier: Der Event ist für die Grösse von Pratteln natürlich enorm. Und auch der Aufwand, den wir betreiben, ist erheblich. Der Einwohnerrat hat für das OK 450’000 Franken, verteilt auf nicht verrechnete Personalaufwände sowie Gebührenerlasse wie Raummieten, gutgeheissen. Das ist für unsere Gemeinde sehr viel Geld. Wir ermöglichen das, weil wir vom Anlass überzeugt und entsprechend stolz sind, ihn bei uns begrüssen zu dürfen. Und natürlich auch, weil wir von anderen Austragungsorten wissen, dass ein ESAF immer auch auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen ist.

Wir schätzen uns glücklich, mit euch zusammenarbeiten zu dürfen. Euer Engagement geht aber noch deutlich über den Vertrag mit dem OK hinaus. Was plant ihr zusätzlich?
Der Einwohnerrat hat Geld für ein Projektportfolio gesprochen, welches aus sieben Teilprojekten besteht. Die Projekte entstehen rund um das ESAF und sollen auch darüber hinaus Bestand haben. So ist zum Beispiel geplant, den öffentlichen Raum mit Mobiliar aufzuwerten oder gemeinsam mit der Bürgergemeinde im Gebiet des Vita-Parcours eine Erinnerung an das ESAF zu erstellen mit Elementen, die sich aus den Bewegungsformen beim Schwingen ableiten. Ein interessantes Projekt ist «Tracht lacht, Brauchtum verbindet». Trachten sind heute wieder «in». Wir zeigen die Trachten aus den Herkunftsländern unserer Bevölkerung und schlagen so eine Brücke zum ESAF Pratteln im Baselbiet, wo Brauchtum und Tradition, aber auch zu Zugehörigkeit und Identität thematisiert werden.

Wollt ihr damit eine direkte Verbindung zwischen dem Fest und dem Gemeindeleben schaffen?
Unbedingt. Die Bevölkerung soll die Möglichkeit erhalten, auf unterschiedliche Art und Weise am Anlass teilzunehmen und davon zu profitieren. So planen wir auch, zusammen mit der Bürgergemeinde und der KMU Pratteln direkt vor Ort präsent zu sein und Aktivitäten stattfinden zu lassen. Das ist aber noch nicht spruchreif. Das machen wir, weil unsere Einwohnerinnen und Einwohner nicht nur am besagten Festwochenende eingeschränkt sind, sondern auch in den Tagen bis Wochen davor. Deshalb ist es uns wichtig, einen langfristigen Mehrwert zu schaffen.

Wann werden die Projekte umgesetzt?
Bis zu diesen Sommerferien erfolgt die Detailplanung, worüber der Gemeinderat entscheidet. Danach werden die Projekte sukzessive umgesetzt. Wir hoffen, ein paar Monate vor der grossen Schau bereit zu sein.

Was macht die Gastgebergemeinde Pratteln aus?
Pratteln ist von allem etwas: Pratteln ist Arbeitsort, Wohnort, Familienort und Freizeitort. Pratteln ist rauh und borstig, Pratteln ist aber auch liebevoll und zart. Ein Ort, der Interessierten gerne seine Schönheiten offenbart. Pratteln ist für viele Menschen Lebensmittelpunkt und Lieblingsplatz. Um sich weiterhin wohlzufühlen, braucht es Plätze und Kommunikationsmöglichkeiten, um sich zu treffen und auszutauschen. «Nah dran» ist für uns eine Art Motto. Nah an der Stadt Basel, nah am Sporttreiben und der Freizeit, nah an der Natur, mitten in öffentlichen Freiräumen mit hoher Aufenthaltsqualität. Das wollen wir unterstreichen. Pratteln darf während des ESAF entdeckt werden, um sich ein eigenes Bild der Vielfalt machen zu können. Man darf sich gerne vom historischen Ortskern überraschen lassen. Oder Orte besuchen, die im Aufbruch sind. Wo sich Pratteln mehr Raum erschliesst und alte Industrie- und Gewerbezone zu urbanen, attraktiven Wohnvierteln transformiert.

Welchen Eindruck soll das ESAF-Publikum von Pratteln nach Hause mitnehmen?
Ein Ort, der in seiner Polarität vorwärts geht. Wo Tradition auf Fortschritt trifft, Dynamik auf Bewährtes und Schönes auf Grobes trifft. Und ein Ort, an dem grosse, tolle Emotionen möglich sind.

Was spürst du bezüglich ESAF aktuell in der Gemeinde?
Ich spüre Goodwill und Tatendrang, Unterstützungswillen, Aufbruchstimmung und Vorfreude. Da und dort gibt es aber auch Zurückhaltung und Skepsis, die sich auf die Grössenordnung unserer Unterstützung beziehen. Und natürlich bestehen persönliche Betroffenheiten. Aber insgesamt würde ich schon sagen: Die Grundstimmung in der Gemeinde ist sehr positiv – in Erwartung eines guten, freudigen, lebendigen Fests. Endlich wieder ausgelassen sein, rausgehen und vielleicht auch ein bisschen aus sich rauskommen? Eine Veranstaltung mit Publikum gibt auch wieder eine Perspektive. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen nach all den Corona-Einschränkungen im Moment recht locker mit der Vorstellung einer Grossveranstaltung in ihrer Nähe umgehen. Man ist ja froh über alles, das wieder stattfinden kann.

Hast du Verständnis für jene, die einen Grossevent nicht so toll finden?
Natürlich. Gerade auch deshalb hoffe ich, dass der Mehrwert, den wir in der Gemeinde schaffen wollen, wahrgenommen wird. Das ESAF Pratteln im Baselbiet ist etwas Einmaliges und Einzigartiges. Starke Emotionen gibt es nur, wenn etwas besonders ist. Das braucht gegenseitiges Zuhören, eine Prise Gelassenheit und einen pragmatischen Umgang mit unangenehmen Nebenerscheinungen. Die Leute, die am stärksten von Lärm oder Verkehrsbehinderungen betroffen sind, nehmen ja selber nicht unbedingt am Fest teil. Wer am meisten tangiert ist, hat unter Umständen am wenigsten vom Anlass. Da wäre es tatsächlich schön, wenn wir diese Leute auch noch auf andere Art ansprechen könnten.

Wie sieht das bei dir persönlich aus, Sandra, bzw. bei euch in der Kommunikation?
Der Sturm kommt ja erst noch. Pratteln wird im medialen Fokus stehen. Und damit natürlich auch das Team der Kommunikation. Wir möchten die Chance nutzen: Professionell auftreten, quirlig und witzig sein und die Dinge auch mal kopfüber betrachten. Dabei aber trotzdem immer im Auge behalten, dass wir mit unseren Ressourcen keine Berge versetzen können.

Ist das ein positiver Stress?
Im Moment schon noch… (lacht) Wir schaffen ja auch vor. Wir werden diese Energie mitnehmen in die Zeit, wo die Gedanken etwas schneller drehen werden. Natürlich freuen wir uns auch darauf, zeigen zu können, was wir «drauf» haben!

Herzlichen Dank, Sandra für das Gespräch!

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