Das Eichenblatt als Symbol fürs Schwingen und die gastgebende Region

22. November 2019
Das Eichenblatt als Symbol fürs Schwingen und die gastgebende Region, Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Pratteln im Baselbiet | ESAF 2022

Das Logo des ESAF Pratteln im Baselbiet bildet das Schwingen in symbolischer Form ab. Mit dem Eichenlaub setzen wir auf ein Zeichen mit enormem Stellenwert in Schwingerkreisen. Gleichzeitig ist die Eiche ein Baum, der bei uns in der Region geschätzt und gefördert wird. Das Logo repräsentiert deshalb sowohl das Schwingen als auch den Austragungsort des nächsten «Eidgenössischen».

Seit etwa einem Jahr trat das ESAF Pratteln im Baselbiet mit einer sogenannten Wortmarke auf, ganz ohne Farbe und Schmuckelemente. Der Schriftzug liess uns Zeit um zu klären, wofür unser Logo stehen und was es aussagen soll. Mittlerweile ist die visuelle Identität geschaffen worden. Das grafische Erscheinungsbild ist so konzipiert, dass es modular, in unterschiedlichsten Techniken und Anwendungen optimal umgesetzt werden kann. Es stammt von Roland (Rolli) Hess, Grafiker, OK-Mitglied der ersten Stunde und Schwingfan aus dem Kanton Basel-Landschaft. Er lässt im folgenden Gespräch den Weg zum Logo Revue passieren.

Rolli Hess, wie bist du an diese Aufgabe herangegangen?
Mit Ehrfurcht, Stolz und Freude. Mein erstes ESAF habe ich 2004 in Luzern live erlebt und schon damals habe ich nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Grafiker teilgenommen. Das berufliche Interesse schaltet sich in einem privaten Umfeld ja nicht einfach ab. Dass man dies rückblickend als erste Feldstudie bezeichnen könnte, hätte ich allerdings niemals zu träumen gewagt. Am ESAF 2019 in Zug konnte ich nun viel bewusster und intensiver recherchieren.

Was ist so besonders an der grafischen Arbeit für ein ESAF?
Über die Jahre hinweg ist der Anlass zu einer Marke mit grosser Strahlkraft geworden. Mit den Königspartnern und Sponsoren bewegen wir uns in einem professionellen Kommunikations- und Markenumfeld. Die Präsenz am Festwochenende ist verhältnismässig kurz und intensiv, die Projektzeit mit allen Vorveranstaltungen und Meilensteinen aber recht lang.

Wir sehen hauptsächlich das Resultat deiner Arbeit, doch wie ist das Logo entstanden?
Am Anfang wollte ich gar nicht so sehr über ein Logo sprechen. Vielmehr über Inhalte, Geschichten und Ideen. Was will man erzählen? Die Diskussion über Geschmack, Farben und Formen sollte in einer späteren Phase erfolgen. Ich habe viel recherchiert, formal und inhaltlich. Zum einen auf der Seite der gastgebenden Region. Auf der anderen Seite habe ich Ideen rund ums Eidgenössische gesammelt.

Gab es Rahmenbedingungen für die Logoentwicklung?
Der Präsidialausschuss hat entschieden, auf heraldische Zeichen, auf Wappen und Wappenfarben zu verzichten. Das war ganz in meinem Sinn. Es galt ja ohnehin schon viel Information und Schrift aus der ursprünglichen Wortmarke zu integrieren. Zudem muss das Logo in sehr kleinem Format angewendet werden können, denkt man nur zum Beispiel an die Social-Media-Kanäle oder an Beschriftungen im Merchandising. Ich wollte das Schwingen auch nicht figürlich abbilden, das gibt es schon zu häufig. Ein ESAF darf da durchaus einen anderen Weg gehen bzw. eine übergeordnete Ebene wählen. Genau das strahlt der Anlass auch aus.

Bei einer Logoentwicklung entsteht in der Regel eine breite Palette an Ideen und Stossrichtungen. Kannst du uns hinter die Kulissen deiner Entwicklungsarbeit mitnehmen?
Klar, gerne. Nehmen wir ein Beispiel: Nicht nur in Zug sind Kirschen buchstäblich in aller Munde. Das gilt auch fürs Baselbiet, wo Kirschbäume zum Landschaftsbild gehören. Ich habe deshalb unter anderem mit der Form einer Kirschblüte gearbeitet. Grafisch liess sich eine Verbindung zwischen einer Blüte und den Sägemehlringen an einem Eidgenössischen herstellen. Schön und gut. Dann kam das grosse Aber: Kirschbäume werden mit dem Kanton Basel-Landschaft assoziiert, kaum aber mit dem Kanton Basel-Stadt. Also fehlte der gemeinsame regionale Aspekt. Zudem passt die Jahreszeit nicht: Ende August hat hierzulande wohl noch nie ein Kirschbaum geblüht. Und der dritte Punkt: Die Verbindung zum Schwingsport hätte konstruiert und immer wieder erklärt werden müssen, sie war zu wenig offensichtlich. Also wurde diese Idee verworfen. Und trotzdem führte sie zu unserem Logo.

Wie das?
Wie so häufig, wenn man in einer Gruppe statt alleine denkt, stösst eine Idee die nächste an. Mit der Kirschblüte vor Augen diskutierten wir im Team weiter, bis jemand die Eingebung hatte: «Beim Schloss Wildenstein oberhalb von Bubendorf gibt es einen wunderschönen, alten, bekannten Eichenhain von nationaler Bedeutung.» Den habe ich mir sofort angeschaut. Wir haben schnell gesehen, dass die Eiche ein natürliches Verbindungsstück zwischen der Region Basel und dem Schwingsport darstellt. Ein urchiges, kräftiges Zeichen mit grosser Nähe zum Anlass. Nur die besten 15 Prozent der Schwinger werden am Eidgenössischen mit dem Eichenlaub bekränzt. Der Eichenhain mit seinen über 500-jährigen Bäumen ist stellvertretend für das grosse Eichenaufkommen in der ganzen Region. Die Eiche ist ein Zukunftsbaum, weil er recht hitzebeständig ist und deshalb auch explizit gefördert wird. Beides mit viel Symbolkraft. Beides kann man mit Tradition, Kraft und Beständigkeit verbinden.

Auf den ersten Blick wirkt das Logo nun einfach, einleuchtend und plakativ. Was ist speziell daran?
Unser ESAF wird von zwei Kantonalverbänden getragen. Wir reden also von einer gastgebenden Region mit der Gemeinde Pratteln als Austragungsort. Wir haben lange über den offiziellen Projektnamen diskutiert – über das Naming, wie wir in unserer Fachsprache sagen. Wie wird Pratteln eingebunden? Wie kommen die beiden Kantone zum Tragen? Alles ist hier so nah beisammen, dass die ganze Region Teil des Fests ist und wir diese in den Vordergrund stellen wollen. Zudem ist das Kürzel ESAF seit vier Jahren ein geschützter Markenname. Der Eidgenössische Schwingerverband hat ihn via Institut für geistiges Eigentum registrieren lassen und stellt ihn den jeweiligen Organisatoren zur Verfügung. Zum ersten Mal verwenden wir im Logo nur dieses Kürzel – und trotzdem weist es immer noch 36 Zeichen auf. Das ist zu viel, um auch in kleinen Anwendungen noch gelesen werden zu können. Deshalb habe ich unser Logo baukastenmässig aufgebaut. Wir können also auch nur die Wortmarke «Pratteln im Baselbiet» oder das textfreie Eichenblatt als Bildmarke einsetzen.

Dies sind inhaltliche und formale Kriterien. Wie sieht es auf der technischen Seite der Anwendung aus?
Die reine vektorisierte Version des Logos ist einfach umzusetzen. Es gibt in kürzester Zeit ein riesiges Spektrum an Umsetzungsversionen. Wer schon mal einen Gabentempel besucht hat, sieht ein Veranstaltungslogo geschnitzt, gefräst, geschmiedet, gemalt, geplottet, gestickt und so weiter. Dank seiner Einfachheit lässt unser Logo dies alles zu, was auch dem ganzen Merchandising sehr entgegenkommt.

Erwartest du auch Kommentare, die sich ein anderes Logo gewünscht hätten, zum Beispiel eines, das ganz direkt den Schwingsport zeigt?
Natürlich gibt es andere Meinungen und Standpunkte. Das ist auch absolut legitim. Ich glaube, dass es bei einer solchen Gestaltung kein absolutes Richtig oder Falsch gibt. Mit der Geschichte, die hinter dem Logo steht, wollten wir auch die Diskussion über das Formale etwas beschränken. Vielleicht fallen wir etwas aus dem Rahmen des Gewohnten. Wir sind aber voll davon überzeugt, dass wir dem Schwingen und den Schwingern damit gerecht werden. Mit dem Wunsch, einen Eichenkranz zu erhalten, treten wohl alle in das Sägemehl. «Eidgenosse» zu sein, das heisst einen solchen Kranz erkämpft zu haben, ist eine besondere Ehre. Dieses sportliche Streben tragen wir in unserem Logo mit.

Das Logo macht einen ruhigen Eindruck, während das Schwingen ein sehr dynamischer Sport ist. Wie bringst du das zusammen?
Das Logo hat schon Schwung in sich. Es gibt beinahe keinen geraden Strich. Sogar die Schrift ist mit Schwung von Hand gezeichnet. Das ist keine Standardschrift. Da ich auch Kalligraph bin, war es naheliegend, neben dem Claim «Gemeinsam mit Schwung und Herz.» auch die Wortmarke «Pratteln im Baselbiet» von Hand zu schreiben. Zudem steht das Logo ja auch selten für sich allein. Es ist eingebettet in eine Gestaltung, zum Beispiel ein Plakat, eine Website, eine Broschüre oder einen Merchandising-Artikel. Dadurch entsteht Vielfalt und Lebendigkeit. Der Auftritt wird dynamisch sein. Es gibt viele Ideen, wie das Logo auf überraschende Weise in Szene gesetzt werden kann. Dazu eignet sich die Geschichte, die hinter dem Logo steht. Unser kleiner Imagefilm ist ein gutes Beispiel dafür und zeigt, dass das Logo schön für Bewegung sorgen kann.

Das Logo des ESAF Pratteln im Baselbiet ist enthüllt. Wie geht es dir jetzt damit?
Sehr gut! Es gab tolle Reaktionen. Die Logopräsentation im Schloss Pratteln war ein toller Event. Am späteren Abend durften wir vor dem gesamten OK das Logo dann nochmals präsentieren. Auch hier habe ich viele Komplimente gehört. Ein schöner Moment für mich persönlich, aber auch in meinem Berufsleben als Grafiker. So häufig hat man ja nicht die Gelegenheit, ein Logo für einen solchen Anlass kreieren zu dürfen. Ich bin gespannt, wie sich unsere Logogeschichte auch über die OK-Mitglieder als Botschafterinnen und Botschafter verbreiten wird. Geschichten verbinden.

Nochmals ganz an den Anfang zurück: Wie bist du als Grafiker überhaupt zum Handkuss für diesen Auftrag gekommen?
Im Jahr 2014 kam der heuti­ge Geschäftsführer des ESAF Pratteln im Baselbiet auf mich zu und fragte mich, ob ich beim Nordwestschweizerischen Schwingfest und LandFest 2017 in Therwil mithelfen würde. Ich war Feuer und Flamme. Gleich danach kamen die Machbarkeitsstudien für das ESAF im Kanton-Basel-Landschaft, die ich begleiten konnte. Es war sensationell, als dann die Anfrage kam, fürs ESAF zusammenzuarbeiten. Ich musste mich erst mal kneifen. Das ist gigantisch und mit nichts zu vergleichen.

Wie ist dein privater Bezug zum Schwingen?
Ich war in den 70er Jahren mit unserem Opa zum ersten Mal an einem Schwingfest. Es war ein Highlight, ihn jodelnd und im Mutz erleben zu können. Aber auch die Schwinger kämpfen und ihren Handschlag zu sehen, war für mich eine neue, erfrischende Welt, die mir sehr gefallen hat. Eine schöne Erinnerung. Damals hatte der Schwingsport in unserer Region eine grössere Bedeutung als heute. Ich hoffe sehr, dass die Attraktivität des Schwingens mit dem ESAF Pratteln im Baselbiet in die Region zurückkehrt.

Roland Hess ist selbstständiger Konzepter und Creative Director, stammt aus Therwil/BL und ist im OK des ESAF Pratteln im Baselbiet als Mitglied der ersten Stunde für alle visuellen Aufgaben verantwortlich. Seine Ausbildung zum eidg. dipl. Grafiker genoss er an der Schule für Gestaltung in Basel. Später war er Art Director in Zürich und Hamburg, gründete und führte eine 20 Mitarbeitende starke Agentur. Seite 2010 ist er als Einzelperson mit HERRHESS.ch unterwegs.

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