Ein Muni, zwei Herren und mehrere Kameras

3. Dezember 2020
Ein Muni, zwei Herren und mehrere Kameras, Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Pratteln im Baselbiet | ESAF 2022

Tobias Schmied, Geschäftsführer Marti AG Pratteln (Munipartner) mit Züchter Jürg Degen und dem Siegermuni

ESAF Pratteln im Baselbiet, Foto Barbara Sorg

Mit dem Wort «eigentlich» können wir mittlerweile ganz gut umgehen. Eigentlich hätte unser Munipartner, die Marti AG Pratteln, den Siegermuni an einer Veranstaltung präsentieren wollen. Stattdessen trafen wir Geschäftsführer Tobias Schmied, Züchter Jürg Degen und seinen Red Holsteiner zu Foto- und Videoaufnahmen. Je länger der Termin dauerte, desto mehr froren die Herren und desto gelassener wurde der Muni.

 

Getauft ist der Muni noch nicht, obwohl er selbstverständlich einen Geburtsnamen trägt. Traditionsgemäss ist es aber das Privileg des Munipartners, dem Tier seinen öffentlichen Namen zu verleihen. Sobald die Marti AG Pratteln diesen bestimmt hat, werden wir es euch wissen lassen. Viele andere Informationen haben wir im Gespräch mit Züchter und Landwirt Jürg Degen erfahren.

Die Familie Degen-Willi bewirtschaftet auf dem Hof Schönenberg in Pratteln bereits in der dritten Generation insgesamt 67 Hektaren Land. Von hier aus könnte der zukünftige Siegermuni des ESAF Pratteln im Baselbiet dereinst zu Fuss zu seiner Stallung auf dem Festgelände laufen. Auf dem Pachtbetrieb wird eine Mischwirtschaft mit Schwerpunkten in der Milchvieh­haltung, dem Ackerbau und der Rinderzucht gepflegt.

Eine Ziegenzucht, die auf Initiative der Kinder von Marianne und Jürg Degen zustande kam, die Hühnerhaltung und Lohnarbeiten für andere Betriebe ergänzen das Aufgabenprofil. Der Siegermuni des ESAF Pratteln im Baselbiet stammt aus eigener Zucht und kam auf dem Hof zur Welt. Dort verbrachten auch bereits seine Mutter und Grossmutter ihr Leben.

Jürg Degen, welchen Bezug hast du privat zum Schwingsport?
In unserer Familie schwingt zwar niemand, aber ich bin gerne Zuschauer. Nicht nur vor dem Fernseher, sondern auch live, zum Beispiel in Frenkendorf. Man kennt und trifft dort natürlich auch viele Leute. Vor ein paar Jahren waren wir am Nordwestschweizerischen Schwingfest in Pratteln mit einem unserer Rinder als Lebendpreis vertreten.

Wie ist die Wahl auf euren Betrieb gefallen?
Für das OK war klar, dass der Siegermuni in Pratteln aufwachsen soll, weshalb wir direkt kontaktiert worden sind. Dann spielt natürlich der Zufall mit, dass bei uns zur richtigen Zeit ein Munikalb zur Welt kam, das nicht nur wegen seiner Rasse, sondern auch in seiner Statur und Zeichnung zu den Vorstellungen des OK passt. In Estavayer ist ein «Schwarzer» ausge­wählt worden, für Zug war es ein Braunvieh, für Pratteln sollte es ein «Roter» sein. Unser Muni ist ein Red Holstein, eine milchbetonte Rasse, die im Baselbiet am meisten verbreitet ist. Ich empfinde es als eine Riesenehre, den Siegermuni aufziehen zu dürfen.

Aktuell sieht euer Muni noch rank und schlank aus. Welche Masse wird er erreichen?
In Grösse und Länge ist er jetzt schon fast ausgewachsen. Er erreicht eine Widerrist-Höhe zwischen 1,70 bis 1,80 Meter. Der wird schon gross … und rund 1 Tonne schwer. Jetzt dürfte er etwa bei 700 Kilo angelangt sein. Was er ab jetzt noch zulegt, ist Muskelmasse.

Wird er dafür speziell gefüttert?
Nein, die Muskeln kommen mit dem Alter.

Gibt es in der Haltung Unterschiede zu euren weiteren Aufzuchtrindern?
Ja, der Muni wird mehr geführt. Die anderen Tiere sind im Laufstall und auf der Weide für sich. Den Siegermuni aber nehmen wir recht häufig aus der Herde heraus, um ihn an die Menschen zu gewöhnen und ihn zu waschen. Er bekommt einiges mehr an Aufmerksamkeit. Er erhält auch regelmässig ein bisschen Mehl, damit er uns aus der Hand frisst und wir ihn am Kopf kraulen können. Er darf nicht kopfscheu sein.

Welche Funktion hat das Mehl?
Das ist für ihn wie ein Gutzi. Es handelt sich um Gersten-Weizen-Mehl von unserem Betrieb, das eigentlich die Kühe erhalten. Es schmeckt gut – unser Muni mag es jedenfalls (lacht).

Wie geht es weiter mit der Vorbereitung des Muni auf seine Aufgabe?
Es wäre vorgesehen gewesen, ihn in den letzten Monaten an einigen Veranstaltungen in Kontakt mit Menschengruppen zu bringen. Das war pandemiebedingt nicht möglich. Wir werden schauen, wie sich das nachholen lässt – nicht zuletzt, damit er mit anderen Lärm­quellen als auf unserem Hof oder mit dem Blitzlicht einer Kamera vertraut wird. Wir arbeiten viel an ihm: waschen, Fellpflege, scheren etc. Dadurch merkt er, dass wir ihm nichts Böses wollen und er sich nicht gegen uns verteidigen muss. Auch an kleine Dinge wie zum Beispiel das Tragen einer Schärpe muss er sich gewöhnen. Das ist ein Fremdkörper, der an ihm runterhängt und kitzelt. Solange er das nicht kennt, wird er die Schärpe abschütteln wollen.

Der Muni ist hornlos – wie stehst du als Züchter und Tierhalter zu diesem Thema?
Wir enthornen alle unsere Rinder, sofern sie nicht ohnehin zu einer genetisch hornlosen Rasse gehören. Mit Hörnern wird das Risiko einfach zu gross. Wenn die Masse und die Kraft eines ausgewachsenen Tiers ins Spiel kommen, kann es gefährlich werden. Für uns heisst dies, dass Respekt und Vorsicht jederzeit da sein müssen. Aber auch die Hierarchie muss klar sein. Wir müssen dem Muni zeigen können, dass er nicht der Chef auf dem Hof ist.

Mit Hilfe des Nasenrings?
Der Nasenring ist ein Hilfsmittel, um das Tier sicher zu führen, falls es seine Kraft ausnützen möchte und in eine andere Richtung zieht. Es lernt, dass es schmerzhaft sein kann, nicht zu folgen. Im Übrigen: Das Anbringen und Tragen eines Nasenrings ist für das Tier ähnlich wie für uns ein Nasenpiercing.

Die Siegermuni der letzten Eidgenössischen sind unterschiedlich alt geworden. Was passiert mit eurem Siegermuni nach dem ESAF im Jahr 2022?
Das bestimme nicht ich. Falls der Schwingerkönig seinen Muni nicht zu sich nimmt, ent­schei­­det der Munipartner über das weitere Vorgehen. Mit seinen vier Jahren befindet sich ein Muni am ESAF bereits in einem fortgeschrittenen Alter. Bleibt er umgänglich, könnte er aber durchaus noch ein paar Lebensjahre vor sich haben.

Merci, Jürg, für das Gespräch.

ESAF Pratteln im Baselbiet, Foto Barbara Sorg
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